Triegel trifft Cranach
Einblicke in Triegels Verständnis von Leben, Kunst und Religion
Michael Triegel, der in den 90er-Jahren an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig sein Handwerk lernte, arbeitet sich seit Jahren an der Renaissance ab wie kein Zweiter. Dabei hat er freilich kein Plagiieren im Sinn, sondern eine reflektierte Bezugnahme, die sich gleichermaßen anlehnt und abhebt. Kein Wunder also, dass man dem katholischen Künstler das Angebot machte, Lucas Cranachs – vor etwa 500 Jahren bei einem Bildersturm bis auf seine Seitenflügel zerstörten – Marienaltar im Naumburger Dom mit einem neuen Altaraufsatz auszustatten. Paul Smaczny, bekannt für seine aufmerksamen, konzentrierten Porträtfilme, hat Triegel bei dieser Arbeit begleitet und dabei gleich mehrerlei festgehalten: Einen Einblick in Triegels Leben und die Hintergründe der Konzeption seiner Arbeit, eine Dokumentation des Entstehens seines Altarbildes, Schicht für Schicht, aber auch einen Blick auf die kulturpolitischen Hintergründe, äußerte doch das Fachgremium der UNESCO kurz vor der Vollendung Bedenken gegen den Altar, der die Sicht im Naumburger Dom einschränken würde, was – wegen Gefährung des Welterbe-Status – zum Abbau des neuen Altars führte ...